Da ich meine fotografische "Laufbahn" gleich mit dem Spezialgebiet Aquarienfotografie begann, lag es natürlich nahe, die vorhandene Makroausrüstung auch für "normale Makrofotos" zu nutzen. So blieb es nicht aus, daß sich mein Archiv auch mit Dias aus dem Bereich Insekten und einheimische Blütenpflanzen füllte. Da ich gerne weiß, was ich da gerade fotografiert habe, entstand so ganz nebenbei auch eine kleine Bibliothek an Bestimmungsbüchern, die wiederum Interesse an neuen Sachen weckte. Auf diese Weise kam ich im Laufe der Jahre zu einem Bildarchiv von etwa 30 000 Dias.

Da es bei den Themen Aquarienfotografie und Makrofotografie bezüglich der Ausrüstung viele Gemeinsamkeiten gibt, werden nachfolgend diese Themen gemeinsam behandelt.

In der Aquarienfotografie ist zwar nicht immer zwingend eine Makroausrüstung erforderlich, aber in den meisten Fällen doch.

Haifische oder Hechte, wie in nebenstehendem Foto, lassen sich auch mit Normal- oder Weitwinkelobjektiven fotografieren. Das sind aber Ausnahmen, in der Regel sind die Motive deutlich kleinere tropische Zierfische.

 

Mangelnde Tiefenschärfe ist das Hauptproblem der Makrofotografie. Die Tiefenschärfe bezeichnet den Bereich, der scharf abgebildet wird. Um einen genügend großen Schärfebereich im Bild zu erhalten muß man stark abblenden, d. h. die Blende möglichst weit schließen (=großer Blendenwert). Das schluckt natürlich enorm Licht und erklärt, warum man meist bei Makrofotos nicht ohne Blitzgerät auskommt. Den Einfluß, den verschiedene Blenden auf die Tiefenschärfe haben, zeigen die beiden nachfolgenden Fotos, die beide mit dem Nikon Makroobjektiv AF 2,8/105 mm gemacht wurden. Scharf gestellt wurde jeweils auf die in der Bildmitte liegenden Filmschachteln.

Im Spezialbereich Aquarienfotografie muß man berücksichtigen daß man durch Wasser fotografiert, welches zusätzlich noch Licht schluckt.

 

fotografiert mit Blende 2,8

fotografiert mit Blende 32

 

Die Tiefenschärfe ist aber nicht nur von der Blendenöffnung abhängig, sondern sie wird außerdem auch vom Abstand zwischen Objektiv und Objekt (also vom Abbildungsmaßstab) beeinflußt. Je größer der Abbildungsmaßstab wird, desto geringer wird die Tiefenschärfe.

 

Die Entscheidung, ob in der Makrofotografie mit oder ohne Blitzgerät gearbeitet wird, ist also auch vom gewünschten Abbildungsmaßstab abhängig. Größere Insekten wie Schmetterlinge und Libellen kann man bei guten Lichtverhältnissen auch ohne künstliche Beleuchtung fotografieren, allerdings besteht dabei immer die Gefahr von Unschärfe durch verwackeln oder durch die Bewegungen des fotografierten Tieres; die Verwendung von Stativen bringt hier nur teilweise Besserung und ist bei der Verfolgung von Insekten eher hinderlich. Beim Fotografieren von Pflanzen kann ein Stativ dagegen schon recht gute Dienste erweisen. Allerdings ist es auch hier kein "Allheilmittel" - Wind z.B. kann Pflanzen derart in Bewegung versetzen, daß vernünftige Fotos, vor allem im Makrobereich, nahezu unmöglich werden.

Manche Fotografen lehnen künstliches Licht bei Makrofotos generell ab; vor allem das "Abstürzen" des Hintergrundes (das Licht des Blitzgerätes reicht nicht aus, um den Hintergrund auszuleuchten, dadurch wird der Hintergrund tiefschwarz) wird als störend empfunden. Das ist aber reine Geschmacksache, mich persönlich stört der schwarze Hintergrund nicht. Wenn man kleinere Insekten oder gar Details fotografiern will, kommt man sowieso nicht um die Verwendung eines Blitzgerätes herum, um eine ausreichende Tiefenschärfe zu erhalten. Das Abstürzen des Hintergrundes läßt sich allerdings auch bei Blitzfotos oftmals vermeiden, dazu ist aber eine umfangreichere Ausrüstung nötig: der zu dunkle Hintergrund muß mit einem weiteren Blitzgerät extra aufgehellt werden.

 

Geblitztes Pflanzenmakro, stark abgeblendet: große Tiefenschärfe, aber Hintergrund abgestürzt (schwarz).

Pflanzenmakro ohne Blitz mit weiter geöffneter Blende: geringere Tiefenschärfe (Pflanze vor unscharfem Hintergrund "freigestellt"), Hintergrund noch gut ausgeleuchtet.

Ein weiteres Pflanzenmakro ohne Blitz.

 

 

 

In der analogen Aquarienfotografie sind nach meinen Erfahrungen gute Ergebnisse ohne Blitzgeräte nahezu unmöglich. Bei digitalen Kameras mit ihren lichtempfindlicheren Chips lassen sich dagegen auch ohne zusätzliche Beleuchtung manchmal noch ganz ansehnliche Resultate erzielen. Dabei handelt es ich aber meist um größere Tiere, die abgebildet werden. Bei kleineren Aquarienbewohnern und/oder sich schnell bewegenden Tieren stößt man aber auch hier schnell an Grenzen, so daß zusätzliche Beleuchtung mittels Blitzlicht nötig wird.

 

Nachfolgend die drei unterschiedlichen Arten von Nahaufnahmenzubehör. Dabei gehe ich von der Verwendung von Spiegelreflexkameras aus, wobei dieses Zubehör sowohl in der analogen als auch in der digitalen Fotografie Verwendung findet.

 

1. Vorsatzlinsen: Dabei handelt es sich um spezielle Linsen, die wie ein Filter vors Objektiv geschraubt werden. Sie wirken praktisch wie eine vors Objektiv geschraubte Lupe. Erfahrungen mit der Verwendung von Vorsatzlinsen habe ich nicht, da ich diese Art Zubehör für die Makrofotografie ablehne. Alles was man vor das Objektiv schraubt, verringert grundsätzlich die Abbildungsleistung. Es ist also Unfug, in teure Objektive zu investieren, um deren Qualität dann durch die Verwendung solchen Zubehörs wieder zu schmälern.

 

2. Auszugsverlängerungen: Hinter diesem Begriff versteckt sich Zubehör daß es ermöglicht, den Abstand zwischen der hinteren Linse des Objektivs und der Filmebene zu vergrößern. Dadurch ändert sich die Naheinstellgrenze des Objektivs, man kann also "näher ran". Solche Auszugsverlängerungen sind entweder starre Gebilde wie Zwischenringe oder sind im Auszug variabel (Balgengerät). Auch die Kombination von mehreren Zwischenringen untereinander oder mit Balgengerät ist möglich. Diese Auszugsverlängerungen werden zwischen Objektiv und Kameragehäuse geschraubt und lassen sich mit allen möglichen Objektiven verwenden; bevorzugt kommen Objektive von 50 bis etwa 200 mm Brennweite zum Einsatz. Die Abbildungsleistung läßt allerdings bei der Verwendung von langen Auszugsverlängerungen etwas nach. Grund dafür: normale Objektive sind so konzipiert, daß die Entfernung des Objekts zur Frontlinse des Objektives größer ist als die Entfernung zwischen hinterer Linse des Objektives und Filmebene. Bei sehr langen Auszugsverlängerungen gibt es daher ein Spezialzubehör, den sogenannten Umkehrring. Er ermöglicht es das Objektiv einfach umzudrehen; allerdings gehen dabei alle Automatik-Funktionen der Objektive, wie automatische Springblende und Blendensteuerung etc, verloren. Mit langen Auszugsverlängerungen und z.B. der Verwendung von WW-Objektiven in Umkehrstellung lassen sich aber extreme Vergrößerungen erreichen: Abbildungsmaßstäbe von 20:1 sind nicht ungewöhnlich.

 

3. Makroobjektive: Wie bei den Auszugsverlängerungen ausgeführt, sind normale Objektive nicht für den Nahbereich konzipiert. Das ist bei den Makroobjektiven anders, sie sind speziell für den Nahbereich korrigiert. In der Regel werden Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 50 und 200 mm angeboten. Ich würde zum Bereich von 100 bis 200 mm raten, dann muß man bei gleichem Abbildungsmaßstab nicht so nahe ran wie mit kürzeren Brennweiten. Das ist in der Makrofotografie schon ein Vorteil, bei der Fotografie von Insekten ist z. B. die Fluchtdistanz der Tiere oftmals recht hoch. Auch in der Aquarienfotografie ist es vorteilhaft, wenn man nicht direkt an der Scheibe "hängt". Ist man weiter von der Scheibe entfernt stört man die Fische weniger und zugleich verringert sich die Gefahr von ungewollten Spiegelungen in der Aquarienscheibe. Eine spezielle Art von Objektiven sei noch erwähnt: der Balgenkopf. Das sind ebenfalls für die Nahfotografie korrigierte Objektive, die allerdings keinen Einstellring für die Entfernungseinstellung besitzen. Sie lassen sich nur an Balgengeräten verwenden, wo die Entfernung mittels Änderung des Balgenauszuges eingestellt wird. Die Kombination Balgengerät/Balgenkopf liefert erstklassige Ergebnisse, die selbst die Abbildungsleistung guter Makroobjektive übertreffen können.

 

 

 Wie bereits erwähnt ist für die Aquarienfotografie nun meist noch zusätzlich ein Blitzgerät notwendig. Das Blitzgerät muß für die Aquarienfotografie vom Kameragehäuse getrennt eingesetzt werden! Dafür ist ein passendes (meist nicht billiges) Blitzkabel erforderlich.

Mit dieser Ausrüstung kann man dann auch schon loslegen. Wichtig ist, daß die Spiegelung des Blitzlichts nicht auf der Aufnahme sichtbar wird. Das erreicht man dadurch, daß man den Blitz leicht erhöht seitlich neben der Kamera plaziert, so daß das Blitzlicht in schrägem Winkel auf die Aquarienscheibe auftrifft. Dazu kann man spezielle Winkelschienen verwenden.

 

Ich selbst stelle meist die Schärfe am Objektiv auf Grund der gewünschten Vergrößerung des Fisches vorher ein. Dann halte ich in der einen Hand die Kamera und in der anderen das Blitzgerät. Scharf gestellt wird durch vor- oder zurückgehen der gesamten Kamera. Die Autofokusfunktion der Kameras versagt oftmals wegen der schlechten Lichtverhältnisse.

Kann man den Bereich des Aquariums, in dem fotografiert werden soll, schon vorher festlegen, kann man das Blitzgerät auch auf einem Stativ befestigen und hat dann beide Hände für die Kamera frei.

Eine weitere Gefahr für Spiegelungen bilden die Kamera und der Fotograf selbst! Meist sieht man erst bei den fertigen Bildern, daß sich das Objektiv, die Kamera oder die Hand des Fotografen in der Scheibe spiegelt. Die Gefahr solcher Spiegelungen steigt, je näher sich Kamera und Fotograf an der Scheibe befinden. Deshalb sind Objektive mit 100 mm Brennweite und mehr besser geeignet; sie vergrößern automatisch den Abstand zwischen Kamera und Aquarienscheibe. Es ist auch von Vorteil, wenn man den Raum, in dem man fotografiert, so weit wie möglich abdunkelt.

Sind die Scheiben des Aquariums vor der Aufnahme nicht penibel gesäubert worden, kann man das Ergebnis davon auf den fertigen Bildern bewundern: das Blitzlicht rückt fettige Fingerabdrücke oder Kalkflecken auf den Scheiben gnadenlos "ins rechte Licht"!

 

Typische Fehler in der Aquarienfotografie:

 

Blitz spiegelt sich in der Scheibe

Hand des Fotografen mit Armbanduhr spiegelt sich in der Scheibe

Schmutzige Aquarienscheibe

 

Und noch einige Tips zur richtigen Belichtung:

Viele Kameras besitzen inzwischen den Meßmodus "Matrixmessung". Diese Einstellung ist für die Aquarienfotografie meist ungeeignet! Die Matrixmessung soll dafür sorgen, daß möglichst alle Bildteile bei der Belichtungsmessung berücksichtigt werden. Bei der Aquarienfotografie bedeutet dies, daß das von der Kamera gesteuerte Blitzgerät versucht, sowohl den meist im Vordergrund schwimmenden Fisch als auch den weiter entfernten Hintergrund des Aquariums voll auszuleuchten. Dadurch werden die Fische auf diesen Bildern meist deutlich überbelichtet.

Es empfiehlt sich die Verwendung des Meßmodus "Mittenbetonte Integralmessung", wobei ich meist zusätzlich noch um 1/3 oder 2/3 Blendenstufen unterbelichte. Bei sehr hellen, silberfarbenen Fischen bringt auch die Verwendung des Meßmodus "Spotmessung" und eventuell zusätzliches Unterbelichten gute Ergebnisse.

Abhilfe kann aber auch die Verwendung von mehreren Blitzgeräten schaffen, wobei das zweite (und eventuell weitere) Blitzgeräte so plaziert werden, daß sie von oben ins Becken leuchten und dabei auch den Hintergrund entsprechend aufhellen. Das verhindert unterbelichteten Hintergrund und auch Fotos von hellen, silberfarbenen Fischen gelingen leichter, da der Helligkeitsunterschied von Fisch und Hintergrund nicht so groß ist. Bei solchen aufwendigeren Anordnungen müssen allerdings die Blitzgeräte in der Leuchtkraft aufeinander abgestimmt werden, was einige Arbeit an Testfotos voraussetzt.

Auch wenn man ganze Aquarien fotografieren will, ist etwas mehr Aufwand nötig. Solche Bilder gelingen nur, wenn die Becken gleichmäßig ausgeleuchtet werden. Das setzt ebenfalls den Einsatz von mehreren, gut aufeinander abgestimmten, Blitzgeräten voraus.

 

 Helle, silberfarbene Fische sind schwierig zu fotografieren!

Pech gehabt: im Augenblick der Aufnahme wendet

sich unser "Modell" ab.

 

Nun braucht man für gute Zierfischfotos nur noch eines: Geduld!

 

Zu diesem Thema gibt es auch ein sehr gutes Internet-Portal mit Forum und Galerie:

 

 

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