Wohl kein anderes Futtertier hat die Zierfischzucht weiter vorangebracht als der Salinenkrebs (Artemia salina). Das liegt daran, daß wir aus den Dauereiern dieser Tiere innerhalb 48 Stunden das passende Futter für die meisten unserer Jungfische schlüpfen lassen können.

Die Salinenkrebse gehören zu den Kleinkrebsen, genauer gesagt zur Unterklasse der Kiemenfüße (Anostraca). Sie kommen weltweit in Lagunen und vor allem salzhaltigen Binnengewässern vor. Bekannte Vorkommen finden sich zum Beispiel in der San Francisco Bay und in den Salzseen des US-Bundesstaates Utah. In letzter Zeit kommen aber auch vermehrt Eier aus Russland und China auf den Markt. Die Dauereier der Tiere werden gesammelt, gereinigt und in Dosen vakuumverpackt. In solchen Dosen bleiben die Eier etliche Jahre lang lebensfähig.

 

Salinenkrebsnauplien

Zum Schlüpfen gibt man die Eier in ein sogenanntes Artemia-Kulturgerät. So etwas kann man im Zoohandel kaufen, aber auch sehr gut selber herstellen. Man verwendet dafür Flaschen von 0,5 bis 1 Liter Inhalt, die mit einem luftdichten Verschluß versehen sind. Durch diesen Verschluß führt man zwei Schläuche, von denen einer bis zum Flaschenboden reicht, der andere ragt nur wenig (etwa 1 cm) in den Luftraum über der Wasseroberfläche. In die Flasche gibt man Wasser, normales Kochsalz (2 Teelöffel auf 0,5 l) und die benötigte Menge Salinenkrebseier. Dann wird der lange Schlauch an eine Durchlüfterpumpe angeschlossen, um den Ansatz immer mit reichlich Sauerstoff zu versorgen. Bei Raumtemperatur schlüpfen die Salinenkrebse spätestens nach 48 Stunden, meist aber deutlich früher. Bei höheren Temperaturen (etwa 25°C) kann man bereits nach 24 - 36 Stunden über Salinenkrebse verfügen.

 

Was da nun geschlüpft ist, nennt man Nauplien, das sind die ersten Larvenstadien der Krebstiere. Diese sind so klein, daß sie von den frischgeschlüpften Jungen sehr vieler Zierfischarten bewältigt werden können.

Zum Verfüttern wird die Durchlüftung der Flasche abgeschaltet. Nach wenigen Minuten setzen sich die Nauplien am Flaschenboden ab, während die leeren Eischalen oben schwimmen. Nun pumpt man durch den kurzen Schlauch Luft in die Flasche, dadurch wird Wasser mit den Nauplien über den langen Schlauch herausgedrückt. Dieses Wasser läßt man über ein Artemiasieb laufen (gibt's auch zu kaufen, hier lohnt der Eigenbau kaum), auf dem die Nauplien zurückgehalten werden.

 

Herkömmliche "Artemia-Kulturgeräte" sind in der Regel einfache Flaschen mit einem kurzen und einem langen Schlauch in einem dicht schließenden Stopfen (Kork oder Kunststoff)

Mit Geschick und Phantasie lassen sich natürlich auch verschiedene Variationen konstruieren

 

Natürlich droht bei ausschließlicher Aufzucht mit Artemia die Gefahr einseitiger Ernährung. Deshalb müssen wir mit zunehmender Größe auch andere Futtertiere anbieten, z. B. Cyclops oder Grindalwürmer.

Es gibt übrigens auch in Europa Vorkommen von Kiemenfußkrebsen, z. B. in Österreich und Ungarn aber auch in Deutschland. Zu nennen sind unter anderem die Art Chirocephalus (Siphonophanes) grubei oder die Arten der Gattung Branchinecta. Dabei handelt es sich oftmals um Tiere, deren Lebensräume kleinere Tümpel oder gar Pfützen sind, die im Frühjahr durch Schmelzwasser entstehen und bald wieder austrocknen. Auch hier spielen also Dauereier, die lange Trockenzeiten überstehen können, eine große Rolle.

 

 

 

Leider gibt es aber auch Zierfischarten, für deren Jungfische auch die frischgeschlüpften Artemia-Nauplien noch zu groß sind. Für solche Arten benötigt man noch kleineres Futter: sogenanntes Staubfutter. So bezeichnet der Aquarianer kleinste, meist einzellige Lebewesen, die man vor allem in Tümpeln finden kann. Diese "Tümpelinfusorien" sind meist Wimpertierchen aus der Unterklasse Euciliata (Echte Infusorien oder Aufgußtierchen). Zu diesen Tümpelinfusorien zählen unter anderem Trompetentierchen, Glockentierchen und Pantoffeltierchen. Man kann diese Tierchen mit Keschern fangen, die mit sehr feinem Gewebe, sogenannter "Müllergaze", bespannt sind.

 

Pantoffeltierchen (Paramecium caudatum)

 

Foto: Wolfgang Müller

 

 

 

 

Diese Tierchen sind aber auch im Aquarium, vor allem im Filter, ständig präsent. So wird von manchen Autoren empfohlen, kleinste Jungfische in eingefahrene Aquarien zu geben. Diese Aquarien sollten schon seit einiger Zeit mit schwachen Außenfiltern betrieben werden, an deren Ansaugschlauch eine Schaumtoffpatrone angebracht ist. Mehrmals täglich wird dann der Filter abgestellt und die Schaumstoffpatrone, in der sich sicherlich viele Infusorien befinden, im Aquarium ausgedrückt. Nach etwa 20 bis 30 Minuten wird der Filter wieder angestellt und Schmutz und nicht gefressene Infusorien landen wieder im Filterschwamm. Übrigens verhindert dieser Vorfilter aus Schaumstoff auch , daß Jungfische in den Filter gesaugt werden. Für Infusorien gibt es aber auch verschiedene Zuchtanleitungen.

 

Trompetentierchen (Stentor coeruleus)

 

Foto: Wolfgang Müller

 

Weitere Futtertiere finden wir im Stamm der Mitteltierchen (Mesozoa), die systematisch zwischen den Einzellern und echten Vielzellern stehen. Dazu zählen Rädertierchen und Fadenwürmer. Rädertierchen sind also trotz ihrer geringen Größe keine Einzeller wie die Infusorien.

 

Die Klasse der Rädertierchen (Rotatoria) umfaßt zahlreiche Arten, von denen viele kosmopolitisch sind, d. h. sie kommen auf der ganzen Erde vor. Diese Tiere leben nicht nur in Gewässern, sondern auch auf feuchtem Moos oder auf dem Eis der Polargebiete. Grund für ihre weite Verbreitung ist die extreme Anpassungsfähigkeit der Tiere sowie ihrer Dauereier. Manche Arten überstehen kurzzeitiges Erhitzen auf 150 °C oder Abkühlen auf -270°C und jahrzehntelange Trockenheit.

Foto: Wolfgang Müller

 

 

 

 

 

Unter den Fadenwürmern finden wir auch einige Arten, die für die Aquaristik interessant sind: Essigälchen (Turbatrix aceti) und Mikrowürmer (Panagrellus redivisvus) werden häufig als Futterzuchten gehalten. Sie sind sehr kleine Futtertiere, die ebenfalls häufig schon von frischgeschlüpften Jungfischen genommen werden. Mikrowürmer haben den Nachteil, daß sie sehr rasch zum Boden absinken, während die Essigälchen aktiv schwimmen und somit für Jungfische, die sich in den mittleren und oberen Wasserzonen aufhalten, länger zur Verfügung stehen. Allerdings ist das Herausfiltern der Essigälchen aus dem Zuchtansatz etwas schwieriger als die Entnahme der Mikrowürmer. Vorsicht! Der Zuchtansatz der Essigälchen ist aufgrund des Essigs stark sauer, es darf also beim Verfüttern nicht zuviel Zuchtlösung ins Aquarium gelangen!

Mikrowürmer

 

Ein Ansatz von Mikrowürmchen: stellt man den Ansatz ans Licht, kriechen die Würmchen an der Glaswand empor und können, z. B. mit einem Pinsel, leicht zum Verfüttern entnommen werden.

 

Übrigens eignet sich auch Eigelb als Aufzuchtfutter. Man nimmt dazu ein kleines Stück Dotter eines hartgekochten Eies und verreibt das ganze sehr fein. Allerdings muß man mit dieser Art Futter sehr vorsichtig umgehen, da man sehr leicht überfüttert und damit das Wasser sehr stark belastet wird!

 

Die drei Mikroskopaufnahmen von Pantoffeltierchen, Trompetentierchen und Rädertierchen wurden mir vom Diplom-Biologen Wolfgang Müller zur Verfügung gestellt, wofür ich mich hier nochmals herzlich bedanken möchte.

 

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