Obwohl Würmer in den Heimatgewässern unserer Pfleglinge meist nur eine untergeordnete oder gar keine Bedeutung für die Ernährung haben, fressen fast alle unsere Zierfische Wurmfutter sehr gerne.

Über den Nährwert der verschiedenen Wurmarten gehen selbst die Meinungen der Experten oftmals auseinander. Vor allem vor der Gefahr der Verfettung wird häufig gewarnt, andererseits werden die verschiedenen Wurmarten aber als sehr eiweißreiche Nahrung bezeichnet. Einem 1975 im Aquarienmagazin (Heft 9, S. 380-381) erschienenen Artikel von Professor Mann kann man unter anderem entnehmen, daß Schlammröhrenwürmer (Tubifex) mit 8,06 % beinahe genausoviel Roheiweiß enthalten wie Mückenlarven der Gattung Chironomus (8,21%). Auch der Fettgehalt ist mit 2,00 zu 1,88 % nur geringfügig höher als der von Zuckmückenlarven. Ein ideales Fischfutter mit hohem Eiweiß- und geringem Fettgehalt wären übrigens laut dieser Veröffentlichung Tellerschnecken sowie Eintags- und Köcherfliegenlarven.

Doch zurück zu den Würmern. Praktisch alle für die Aquaristik interessanten Wurmarten zählen zur Ordnung der Wenigborster (Oligochaeta) innerhalb des Stammes der Ringelwürmer.

 

Grindalwürmer

Grindalwürmer

 

Eine beliebte Wurmart bei den Aquarianern sind die Grindalwürmer (Enchytraeus buchholtzi). Die Grindalwürmer stammen aus tropischen Regionen, weshalb für gutlaufende Zuchtansätze eine Temperatur von 20° C nicht unterschritten werden sollte. Sehr gut vermehren sich die Tiere bei Temperaturen von 20-25°C.

Nahe verwandt ist die einheimische Art Enchytraeus albus, die von den Aquarianern einfach nur als Enchyträen bezeichnet werden. Diese Art mag es deutlich kühler und man kann sie sehr gut zum Beispiel im Keller züchten.

 

Die Schlammröhrenwürmer der Gattung Tubifex werden in der Aquaristik besonders kontrovers diskutiert. Von vielen Autoren werden sie verteufelt. Hauptgründe sind die Gefahr der Verfettung und die angebliche Verunreinigung der Würmer mit Schadstoffen (vor allem Schwermetalle), da diese Würmer in Gewässern mit schlechter Wasserqualität hervorragend gedeihen. Die Zeiten, in denen Industriebetriebe ungehindert schwermetallhaltige Abwässer in unsere Gewässer einleiteten gehören aber gottseidank schon lange der Vergangenheit an. Heute sind die Lieblingsbiotope der Schlammröhrenwürmer vor allem kleine Bäche und Gräben, die z.B. durch die Landwirtschaft geschädigt sind. Von den Feldern geschwemmte Jauche und Gülle ist eines der Hauptprobleme in diesem Zusammenhang. Diese organischen Belastungen spielen aber bei der Verfütterung der Würmer keine Rolle, wenn wir die Tiere vorher bei regelmäßigem Wasserwechsel einige Tage in sauberem Wasser halten. Die Tubifex, die man im Zoofachhandel erstehen kann, stammen zudem vielfach aus sauberen Zuchten. Ich muß sagen, daß ich mit der Verfütterung von Tubifex in meiner über 25 Jahre währenden Zeit als Aquarianer noch nie Probleme hatte. Auch der Laichansatz der Fische ist nach meiner Erfahrung bei der Gabe von Tubifex besonders gut. Ich glaube, daß viele Aquarianer die Erkrankung ihrer Zierfische den Tubifex anlasten um nicht eigene Hälterungsfehler zugeben zu müssen.

 

Schlammröhrenwürmer

Schlammröhrenwürmer

 

In der Natur besiedeln die Würmer wie gesagt okologische Nischen, in denen sich kaum noch andere Arten halten können. Aufgrund der Darmatmung dieser Würmer können sie fast sauerstofffreie Grundschlämme von Gewässern bewohnen. Die schlängelnden Bewegungen der Würmer dienen dazu, frisches Wasser heranzuführen.

 

 

Regenwürmer (Lumbricus terrestris) sind als Fischfutter nur bedingt geeignet. Zwar gibt es auch hier Autoren, die diese Würmer aufgrund des Nährstoffgehaltes ausdrücklich als Fischfutter empfehlen, jedoch sind Regenwürmer aufgrund ihrer Größe selbst zerkleinert ganz schöne "Brocken" und deshalb für viele unserer kleineren Zierfischarten kein ideales Futter. Anders sieht es wohl bei den Haltern von großen Barschen etc aus. Regenwürmer sollten vor dem Verfüttern einige Tage ohne Nahrung in einem extra Behälter verbringen, damit die Tiere ihren Darm entleeren können.

Regenwurm

 

Als Fischfutter zu erwähnen sind auch noch 2 kleinere Verwandte des Regenwurms: der in Komposthaufen und fetter Gartenerde lebende Mistwurm (Eisenia foetida) und der Rote Tauwurm, den man in Angelgeschäften als Köder kaufen kann.

 

 

Auch unter den Schnecken und Muscheln finden sich geeignete Futtertiere. Tiefgefrorenes Muschelfleisch wird ja in den meisten Zoofachhandlungen angeboten. Wer will kann sich vom Fischhändler auch frische "Meeresfrüchte" besorgen. Ich verwende Muscheln als Futter aber eigentlich überhaupt nicht.

 

Amerikanische Posthornschnecke

Anders sieht es dagegen mit Schnecken aus. Wie oben erwähnt sind Schnecken hervorragend als Nahrung für Fische geeignet. Ich habe in meinen Aquarien eine Unmenge an Schnecken, die ich der Art Planorbella duryi zuordne. Diese Amerikanische Posthornschnecke habe ich entweder mit Wasserpflanzen oder mit selbstgefangenen Fischen aus Florida eingeschleppt. Die Tiere wurden aber auch Anfang des 20ten Jahrhunderts in europäische Wasserpflanzenzüchtereien eingeschleppt und sind dort seither mehr oder weniger weit verbreitet. In einzelnen wärmeren Biotopen, wie z. B. Thermalquellen, konnten sie sich sogar in Europa ansiedeln.

 

Diese Schnecken werden von mir zwar nicht gezielt gezüchtet, doch vermehren sie sich vor allem in den Aufzuchtbecken reichlich. Dort sind sie zur Beseitigung der Futterreste zuständig und sorgen somit für eine gute Wasserqualität. Überzählige Schnecken werden immer wieder abgesammelt und an die Fische verfüttert, die sich mit wahrem Heißhunger auf diese Leckerbissen stürzen. Zum Verfüttern zerdrückt man am Besten das Gehäuse der Schnecken mit einer Pinzette.

Allerdings möchte ich noch erwähnen, daß manche Schneckenarten eventuell Giftstoffe abgeben können, welche für die Fische gefährlich sein könnten. Ich verfüttere ausschließlich die oben erwähnten Amerikanischen Posthornschnecken, die ich uneingeschränkt zum Verfüttern empfehlen kann.

 

zu weiteren Seiten über Futtertiere:

 

 

zurück zu:

Copyright - Index - Links

Startseite