Die artenreichste Tiergruppe überhaupt sind die Insekten, die sich weltweit alle Lebensräume von Gewässern bis zu Wüsten erobert haben. Logisch also, daß wir in dieser Tiergruppe auch eine große Auswahl von Futtertieren finden, von denen sich manche Arten auch relativ einfach zu Hause vermehren lassen.

 

Beim Tümpeln kann man neben Krebstieren (Wasserflöhe, Hüpferlinge) auch verschiedene Arten von Insektenlarven erbeuten.

 

Viele Insektenarten verbringen nämlich ihre Larvenzeit unter Wasser und erst das Imago (fertig entwickeltes Insekt) verbringt dann sein restliches Leben auf dem Trockenen. Das Leben als fertiges Insekt ist dabei häufig wesentlich kürzer als die Larvenzeit unter Wasser. So dauert die Larvenzeit der Eintagsfliegen je nach Art zwischen einem und mehreren Jahren, während das fertige Insekt nur Stunden bis wenige Tage am Leben bleibt, um sich zu verpaaren und für neuen Nachwuchs zu sorgen; manchmal fehlen den fertigen Insekten sogar Mundwerkzeuge um Nahrung aufzunehmen.

 

Eintagsfliegen verbringen ihre Larvenzeit meist in Fließgewässern, wo sie versteckt unter Steinen und Holzstücken etc. leben. Deshalb ist ihr Fang meist aufwendig und wenig lohnend. Manche Arten besiedeln aber auch stehende Gewässer, wo sie dann auch in größerer Menge vorkommen. Als Futtertiere sind sie sehr gut geeignet, da sie besonders eiweißreich und fettarm sind.

 

 

Fertig entwickelte Eintagsfliege

Eintagsfliegenlarve

 

 

Eine eigene Ordnung bilden die Steinfliegen, die allerdings sowohl als Larven als auch als Imago den Eintagsfliegen sehr ähnlich sehen und vom Laien leicht verwechselt werden können. Sie bewohnen auch ähnliche Lebensräume wie die Eintagsfliegen.

 

Lohnendere Objekte beim Futterfang sind dagegen die Larven von Mücken. Sie kann man manchmal in sehr großen Mengen beim Tümpeln erbeuten. Für den Aquarianer interessant sind drei Familien: Büschelmücken, Stechmücken und Zuckmücken.

 

Die einheimischen Büschelmücken gehören häufig der Gattung Corethra an, die zuweilen auch Chaoborus genannt wird. Der Name dieser Mückenfamilie stammt von den Fühlern der Mücken, die büschelartig verzweigt sind. Die Larven werden von den Aquarianern als Weiße Mückenlarven bezeichnet, obwohl der Körper der Larven nicht weiß, sondern durchsichtig ist. Passender ist da wohl die auch gebräuchliche Bezeichnung Glasstäbchen. Die Lebensräume der Larven sind meist stehende Gewässer mit sauberem Wasser, wo sie das ganze Jahr über vorkommen und auch überwintern.

Die Larven schweben mittels zweier Luftbehälter im Wasser, ihre Atmung erfolgt über die Haut. Diese Mückenlarven leben räuberisch, mit ihren kräftigen Kiefern fangen sie andere Wasserbewohner und verschonen auch eigene Artgenossen nicht. Die fertigen Weibchen der Büschelmücken sind keine Blutsauger!

Büschelmückenlarve

 

Stechmückenlarve

Die Larven der Stechmücken, meist Angehörige der Gattungen Culex und Anopheles, werden von den Aquarianern als Schwarze Mückenlarven bezeichnet, obwohl die Larven meist braun und manchmal sogar gelblich gefärbt sind. Die fertigen Insekten sind wahre Quälgeister, da die Weibchen zur Entwicklung ihrer Eier meist das Blut von Säugetieren benötigen. Da ihre Entwicklung meist sehr rasch vonstatten geht, kann es leicht passieren, daß sich nicht gefressene Larven im Aquarium verpuppen und bald darauf ins Wohnzimmer ausschwärmen. Diese rasche Entwicklung gibt den Tieren aber die Möglichkeit, in der Natur auch nur zeitweise vorhandene Gewässer, wie etwa Pfützen, für ihre Fortpflanzung zu nutzen. Im Frühjahr lassen sich daher in mit Schmelzwasser gefüllten Gräben oft große Mengen dieser Larven erbeuten.

Die Larven ernähren sich meist von pflanzlichem Material. Zum Beispiel raspeln sie mit ihren Mundwerkzeugen Algen ab. Die Atmung erfolgt über eine Art Schnorchel am Hinterleib, mit dem sie, an der Wasseroberfläche hängend, athmosphärische Luft aufnehmen. Bei Störungen verschwinden sie dann schnell von der Wasseroberfläche zum Grund der Gewässer, um sich zu verstecken.

 

Die Zuckmückenlarven der Gattung Chironomus werden von den Aquarianern als Rote Mückenlarven bezeichnet. Den Namen verdanken sie ihrem roten Blutfarbstoff, der dem menschlichen Hämoglobin sehr ähnlich ist und bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen kann. Auch diese Larven sind allerdings nicht alle rot, es gibt auch gelblich oder weiß gefärbte Arten.

Die Zuckmückenlarven kommen das ganze Jahr über vor und überwintern auch. Sie bewohen etwa die selben Lebensräume wie die Schlammröhrenwürmer (Tubifex), weshalb sie als Fischfutter mit den selben Vorurteilen wie diese belegt sind. Allerdings ist schon richtig, daß der Eiweißgehalt geringer und der Fettgehalt höher als bei anderen Mückenlarven ist.

Zuckmückenlarve

 

Mückenpuppe

Die Puppen der verschiedenen Mückenarten sehen oftmals sehr ähnlich aus. In ihnen vollzieht sich die Umwandlung von der Larve zum fertigen Insekt. Kurz vor Ende der Umwandlung kann man dann schon die Flügel der Mücken durch die Puppenhaut schimmern sehen.

 

Seltener, eher als Art Beifang, erbeutet man auch die Larven der Köcherfliegen.

 

Diese Tiere haben eine sehr interessante Lebensweise: sie bauen sich für ihren weichen, ungeschützten Hinterleib eine Schutzhülle (Köcher), wobei sie die unterschiedlichsten Materialien verwenden. Verwendetes Material und Bauplan dieser Köcher können auch artspezifisch unterschiedlich sein und helfen den Entomologen bei der Unterscheidung der einzelnen Arten. So gibt es zum Beispiel Arten, die in reißenden Gebirgsbächen leben und aus diesem Grund vor allem schweres Baumaterial (kleine Steinchen) verwenden. Um nicht von der Strömung fortgerissen zu werden, spinnen diese Arten auch meist seidene "Fangleinen", oder sie befestigen ihren Köcher mittels Seidenfäden gleich fest an der Unterseite von Steinen.

 

Arten, die langsamfließende oder stehende Gewässer bewohnen, legen beim Köcherbau mehr Wert auf Tarnung und verwenden dazu alle möglichen, meist pflanzlichen Bauteile.

 

 

Köcherfliegenlarve mit

und ohne Köcher

 

 

Köcherfliegenlarve im Aquarium (Limnephilus flavicornis)

Fertige Köcherfliege (Chaetopteryx villosa)

 

 

Zum Verfüttern müssen die Larven aus ihrem schützenden Köcher entfernt werden. Am einfachsten faßt man dazu den Kopf der Larve mit einer Pinzette. Hält man den Köcher mit der anderen Hand fest, läßt sich die Larve leicht herausziehen. Viele Köcherfliegenlarven sind aber ganz schöne "Brocken" und deshalb auch nur als Futter für etwas größere Fische (z.B. Buntbarsche) geeignet.

 

 Ein weiterer Begriff im Zusammenhang mit Futtertieren ist Wiesenplankton. Dieses Wort bezeichnet all das, was man erhält, wenn man mit dem Kescher durch das hohe Gras einer Wiese zieht. Neben Spinnen, Käfern, Raupen und Heuschrecken vor allem verschiedene Arten von Fliegen. Wenn auch Wiesenplankton in erster Linie von Terrarianern verfüttert wird, gibt es doch auch zahlreiche Fische, denen man mit solchen Leckerbissen eine Freude machen kann. Nicht nur Schützenfische (Toxotes) und Afrikanische Schmetterlingsfische (Pantodon) sind Freunde dieses Futters. Auch viele Barsche, Killifische und Labyrinther nehmen gerne Anflugfutter. Unter diese Bezeichnung fallen alle Futtertiere, die in der Natur eher zufällig auf die Wasseroberfläche gelangen.

 

Kaiser-Goldfliege (Lucilia caesar)

Graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria)

Schnepfenfliege (Rhagio scolopaceus)

 

 Stubenfliegen und Fleischfliegen lassen sich auch zu Hause züchten. Im Fachhandel gibt es auch spezielle Fliegenfallen.

 

Allerdings bevorzugen viele unserer Zierfische aufgrund ihrer geringen Größe kleinere Futtertiere. Hier bieten sich aber ebenfalls Fliegen als Futter an. Zum Beispiel Taufliegen, die auch als Frucht- oder Obstfliegen bezeichnet werden, da wir sie mit faulem Obst anlocken können, in das sie mit Vorliebe ihre Eier ablegen. Von der Fruchtfliege Drosophila melanogaster gibt es Zuchtansätze, die verhälnismäßig einfach zu handhaben sind. Da diese Art für die Genforschung sehr interessant ist, gibt es von ihr inzwischen auch zahlreiche Mutationen. Eine davon besitzt nur noch verstümmelte Flügel und kann nicht mehr fliegen. Da das Verfüttern von flugunfähigen Fliegen natürlich sehr viel bequemer ist, sind Zuchtansätze dieser mutierten Variante bei Aquarianern besonders beliebt und verbreitet.

Fruchtfliege (Drosophila)

 

 

 

Weitere Futtertiere können wir in unserem Garten finden. Zum Beispiel lassen sich auch Blattläuse gut verfüttern und ein beliebtes Futter sind auch Ameisen und ihre Puppen. Daß man dazu aber nicht die Ameisenhaufen in unseren Wäldern plündert, sollte klar sein und ist außerdem verboten. Zudem gibt es bei den Ameisen auch etliche geschützte Arten.

Die in unseren Gärten häufigen Arten können aber zur Bereicherung des Speisezettels unserer Fische beitragen.

 

 

Ab und zu erbeutet man beim Tümpeln auch Libellenlarven. Man sollte diese Art Beute gleich wieder in den Teich zurückgeben, denn die meisten unserer Libllenarten stehen unter Naturschutz. Außerdem hätte man an diesen "Futtertieren" wenig Freude: Libellenlarven sind arge Räuber und können Fische überwältigen, die größer als sie selbst sind!

 

 Zu guter letzt möchte ich auch noch Schmetterlinge erwähnen, die als Futtertiere Verwendung finden.

 

Allerdings verwendet man dazu nicht gerade unsere schönen Edelfalter. Vielmehr gibt es Arten, die man auch zuhause züchten kann. Dabei handelt es sich um Kleinschmetterlinge wie die Große (Galleria mellonia) und die Kleine Wachsmotte (Achroea grisella), die bei den Imkern gefürchtete Schädlinge sind. Als Haushaltsschädling bekannt ist die Mehlmotte (Ephestia kuenniella), die man ebenfalls zu Hause züchten kann.

 

Eher für den Terrarianer interessant und nur der Vollständigkeit halber erwähnt sind Zuchtansätze von Grillen und Heimchen. Bei den im Zoofachhandel außerdem angebotenen "Mehlwürmern" handelt es sich nicht um Würmer, sondern um die Maden des Mehlkäfers.

 

 

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