Die Zucht von Killifischen

 

Bei der Zucht von Killifischen unterscheidet man grundsätzlich zwischen annuellen und nichtannuellen Arten.

 

 

Bei annuellen Arten handelt es sich um sogenannte Saisonfische, deren Eier sogenannte Diapausen durchlaufen und wo die Eier zur Entwicklung eine gewisse Zeit trocken gelagert werden müssen. Man ahmt also die in der Natur auftretende Trockenzeit nach. Als Ablaichsubstrat hat sich für die meisten Arten gemahlener Torf bewährt. Einige südamerikanische Arten scheinen allerdings auf die vom Torf abgegebenen Stoffe empfindlich zu reagieren. Bei diesen Arten sollte man dem (gut ausgekochten) Torf etwas Lehm beimischen. Die annuellen Arten unterteilt man aufgrund ihres Verhaltens beim Ablaichen in Bodenlaicher und Bodentaucher.

 

 

Die Nothobranchius-Arten Afrikas sind Bodenlaicher. Sie legen ihre Eier auf dem Bodengrund ab und versuchen lediglich nach dem Ablaichvorgang die Eier durch einen kräftigen Flossenschlag in den Bodengrund zu befördern. Zur Zucht dieser Arten genügt daher eine dünne Torfschicht als Ablaichsubstrat.

 

Laichendes Pärchen von Nothobranchius fuscotaeniatus aus Tansania

 Ebenfalls aus Tansania kommt Nothobranchius kilomberoensis

 

 

Zum Ablaichen schwimmt das Männchen über das Weibchen und drückt es nach unten auf den Bodengrund. Dabei wird das Weibchen vom Männchen mit dessen Rücken- und Afterflosse umfaßt:

 

Zur Zucht der bodenlaichenden Nothobranchius-Arten kann man solche Plastikdosen verwenden. Wenn man in die Vorderseite ein Loch schneidet und auf die Dose einen Deckel setzt, kann man dadurch verhindern, daß zuviel Torf durchs Becken gewirbelt wird. Die Fische nehmen solche Ablaichgelegenheiten willig an und gewöhnen sich schnell an diese "Starenkästen".

 

 

 

Bei den Saisonfischen Südamerikas handelt es sich um Bodentaucher. Sie legen ihre Eier im Bodengrund ab. Dazu tauchen die Tiere vollkommen in den Bodengrund ein. Nach dem Ablaichvorgang kommt zuerst das Männchen und erst anschließend das Weibchen wieder aus dem Laichsubstrat heraus. Bei den Bodentauchern muß das Ablaichsubstrat (in unserem Fall die Torfschicht) mindestens so hoch sein, wie die Fische lang sind! Um nicht das ganze Becken mit einer hohen Torfschicht füllen zu müssen, bieten sich Ablaichgefäße wie das nebenstehende Marmeladenglas oder die oben gezeigte Plastikdose an. Für die bodentauchenden Südamerikaner müssen diese Gefäße nur entsprechend höher sein.

 

 

Simpsonichthys magnificus aus Brasilien

Eier von S. magnificus im Torf

 

 Hält man die Fische im Daueransatz, dann ersetzt man lediglich alle 2 - 4 Wochen den Torf mit den Eiern durch frischen Torf. Der Torf mit den Eiern wird in ein feinmaschiges Netz gegossen, gut ausgedrückt und dann zwischen Zeitungspapier etwa 24 Stunden getrocknet. Dann kommt der Torf in eine Plastiktüte (Beschriftung mit Art und Datum nicht vergessen!) und wird bis zum Aufgiessen bei Raumtemperatur gelagert. Je nach Art erfolgt der Aufguß nach wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, wobei höhere Temperaturen die Entwicklungszeit der Eier verkürzen. Nach dem Aufguß kann der Torf nochmals trockengelegt und noch mehrmals im Abstand von jeweils etwa 4 Wochen aufgegossen werden.

 

 

Das Gegenteil der annuellen Saisonfische sind die nichtannuellen Killifische. Dabei handelt es sich um die restlichen Gattungen der Hechtlinge, Leuchtaugenfische, Prachtkärpflinge und alle sonstigen Arten. Diese Arten sind meist Haftlaicher, das heißt, sie heften ihre Eier an feinfiedrige Wasserpflanzen, in Algenpolster oder drücken sie gar in die Spalten von Steinen oder Holzstücken wie manche Leuchtaugenfische. Die Züchter verwenden als Ablaichsubstrat meist Wollmops aus dunkelbrauner oder grüner Wolle, aus denen die Eier verhältnismäßig einfach abgesucht werden können. Die Eier können ruhig mit den Fingern angefaßt werden und sind bereits wenige Stunden nach der Eiablage auch schon sehr hart und kaum druckempfindlich. Die Lagerung der Eier erfolgt im Wasser.

 

 

Ablaichbecken mit Anubias und grünem Wollmop

2 frischgelegte und 4 vollständig entwickelte Eier von Chromaphyosemion bivittatum "Biafra" auf Millimeterpapier

 

 

Eier von Chromaphyosemion bivittatum "Biafra" in stärkerer Vergrößerung

 

Allerdings ist die Unterscheidung zwischen annuell und nichtannuell hier nicht immer so einfach. Es gibt Arten z. B. der Gattungen Callopanchax und Fundulopanchax, deren Eier sich wesentlich besser entwickeln, wenn sie wie die Eier von Saisonfischen behandelt, also trockengelegt, werden. Diese Arten werden als semi(halb-)annuell bezeichnet. Ihre Entwicklungsdauer beträgt meist etwa 4 - 6 Wochen.

Auch der Laich vieler Arten aus den anderen Gattungen kann auf Torf trockengelegt werden. Das hat den Vorteil, daß bei vielen empfindlichen Arten die Fälle von Laichverpilzung verringert werden können. Ich benütze dazu meist kleine Dosen mit einem Polster aus feuchtem Fasertorf oder Schwarztorfgranulat, auf das die Eier nach dem Absuchen gelagert werden. Ein Deckel sorgt für konstant hohe Luftfeuchtigkeit. So kann man die Entwicklung der Eier gut beobachten. Die Entwicklungszeit der meisten Aphyosemion-Arten beträgt in etwa 10 bis 14 Tage.

Die Eier von Leuchtaugenfischen und den europäischen und nordamerikanischen Killifischarten lagert man am Besten in Wasser, dem man etwas Methylenblau zusetzen kann, um Laichverpilzung zu verhindern.

 

Laichendes Paar von Aphyosemion striatum

Auch auf Torf kommt es manchmal zum Verpilzen von Eiern

 

Wüstenfische (Cyprinodon macularius) beim Ablaichen:

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Die Jungfische der meisten Killifischarten bewältigen sofort nach dem Schlüpfen Artemia-Nauplien. Ich halte die frischgeschlüpften Fische in Behältern mit 1 Liter Inhalt oder noch weniger. Dadurch müssen die nur wenige Millimeter kleinen Winzlinge auf der Jagd nach Beute keine so großen Strecken zurücklegen. Allerdings muß in diesen kleinen Behältern täglich ein 100prozentiger Wasserwechsel durchgeführt werden, obwohl natürlich auch hier Schnecken ihre wertvolle Arbeit als "Reinigungsdienst" verrichten. Zum Wasserwechsel verwende ich hier natürlich kein Frischwasser, sondern eingefahrenes Wasser aus einem Gesellschaftsbecken. Die Jungen wachsen aber meist sehr schnell, so daß sie im Abstand von wenigen Wochen in immer größere Becken umgesetzt werden können. Neben Artemia-Nauplien werden dann vor allem Grindalwürmer und später verschiedene Frostfuttersorten gegeben.

 

 

Abschließend noch einige Angaben zur Beckengröße: Kurzansätze von einigen Stunden bis zu wenigen Tagen kann man mit kleinen Killifischarten schon in Becken mit 10 Liter Inhalt und weniger durchführen. Ich züchte meine Killis meist im Daueransatz. Dazu verwende ich Becken mit einem Inhalt von etwa 25 Litern. Diese Becken sind meist mit kleinen motorbetriebenen Innenfiltern bestückt, manche Becken werden aber gar nicht gefiltert oder belüftet. Alle Becken sind aber dicht mit Pflanzen, meist Anubias oder Javamoos, besetzt. Außerdem befindet sich in jedem Becken eine große Anzahl Amerikanischer Posthornschnecken, die die Abfälle zuverlässig beseitigen und sich nach meinen Erfahrungen weder an den Pflanzen noch am Laich der Fische vergreifen. Teilwasserwechsel (1/3 bis 1/2) wird regelmäßig wöchentlich durchgeführt. Natürlich sind diese Becken nur spärlich besetzt: in der Regel leben in jedem Becken 1 Männchen und 1 bis 3 Weibchen. Größere Arten (z.B. Fundulopanchax) halte ich in Becken mit etwa 45 Litern Inhalt mit motorbetriebenem Innenfilter. Sämtliche Becken sind unbeheizt, Raumtemperatur ist vollkommen ausreichend. Lediglich meine Wüstenfische (Cyprinodon macularius) erhalten ab und zu einige heiße Tage mit Temperaturen von 25 - 30°C. Den Sommer verbringen meine Wüstenfische auf dem Balkon.

Einige meiner Zuchtbecken

Den Sommer verbringen meine Wüstenfische in Mörtelkübeln (90 und 60 l) auf dem Balkon

 

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